8 Türkei III: Bergwelt und Schwarzmeerküste

Ab Kapadokien geht es weiter zu Fünft. Sara und Chris entscheiden sich dagegen, direkt gen Norden an die Schwarzmeerküste zu fahren und wir nehmen zusammen Kurs auf Trabzon Richtung Nordosten durch die Berge. Es lässt sich nicht vermeiden, wir überlegen hin und her; in den nächsten Tagen wird es viele Anstiege geben mit zwei Pässen von 2000 und 2200 m.

Das Radfahen in der Gruppe macht riesig Laune. Bei jedem Stopp fallen wir auf, werden überall angesprochen und bekommen ’ne Menge Einladungen. In einem Vorort gehe ich in einer Bäckerei zur Toilette, komme ins Gespräch und wir bekommen Olivenbrot ausgegeben; letztendlich weil sie von der Türkische Flagge am Fahrrad begeistert sind. Bei einer anderen Pause fallen wir dem Restaurantbesitzer auf, kurzerhand läd er uns zum Mittagessen ein.

Bei der Schlafplatzsuche ist Chris sehr aktiv, wir finden klasse Nachtlager abseits der Landstraße. Wir Campen in freier Natur, jeden Abend wird am Feuer und zusätzlich auf den Benzinkochern gekocht. Die Etappen sind etwas kürzer, dennoch kommen wir gut voran. Vor dem ersten großen Anstieg haben wir Glück und werden von einem LKW-Fahrer mitgenommen. Auf dem Tieflader ist hinter der transportierteb Raupe noch viel Platz für die fünf Fahrräder, auch der Anhänger findet Platz. Wir fahren ca. 10 km vorne in der Doppelkabine mit und lassen uns auf 2000 m Höhe absetzen. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt 🙂

Am nächsten Tag nach einem Traumplatz am See geht es wieder Steil den Berg hinauf. Ich falle etwas zurück, aufgrund des hohen Gewichts von 100 kg ist das Gespann am Berg trotz Elektrounterstützung etwas langsamer. Nach einer Weile sehe ich vom Weitem Sara und Chris am Straßenrand, Koens Fahrrad wird gerade auf einen Pickup aufgeladen. Koen hatte versucht, sich an einem vorbeifahrenden LKW festzuhalten, an dem die Beiden schon hochgezogen wurden und sich dabei so heftig am Finger verletzt, dass er noch am selben Abend in der nächstgrößeren Stadt operiert wird. Wir treffen uns alle am Krankenhaus und werden von einer sehr netten Ärztin in die Bedienstetenkantine zum Abendessen eingeladen während Koen oben auf die OP wartet. Der Finger ist danach gut versorgt, es steht jedoch eine ca. vierwöchige Radpause für ihn auf dem Programm. Die nächsten zwei Tage Leisten wir Koen Beistand, lungern am Krankenbett rum, bekommen die Wäsche im Krankenhaus gewaschen und können im Krankenzimmer duschen. Eine Schrecksekunde gibt es am Nachmittag des zweiten Tages: Die Zelte auf der nahegelegenen Lichtung fehlen. Wie sich herausstellt, hatte eine Windhose die nicht befestigten Zelte 30 m durch die Luft getragen, Chris konnte ein Zelt nur kletternd aus einem Baumwipfel befreien 🙂

Ab Sebinkarahisar geht es dann erstmal zu dritt weiter, Julian begleitet Koen im Bus nach Trabzon an die Küste, wo Julian Station macht um sein Iranvisum zu beantragen und Koen bald darauf per Bus und Zug nach Armenien weiterfährt um Freunde aus Holland zu treffen.

Jetzt steht die zweite Passüberquerung an. Die Steigung ist für das Gespann grenzwertig, oft nutze ich die gesamte Breite der wenig befahrenen Straße , um dem Anstieg zu mildern. Der Tacho zeigt oftmals weniger als 5 km/h an. Nachmittags um 5 erreiche ich happy den Pass und freue mich auf die anstehende Talfahrt Richtung Küste.

In Trabzon ist das 5er-Team wieder kurzzeitig vereint, danach nehme ich mit Sara und Chris Kurs auf Georgien an der viel befahrenen und aufgrund der vierspurigen Schnellstraße menschenunfreudliche Schwarzmeerküste entlang. Über Rize, der Herkunftsstadt von Präsident Erdogan, geht es vorbei an zahlreichen Teeplantagen, hier wird der im ganzen Land mit Vorliebe getrunkene Schwarztee Cay angebaut. Viele Frauen sind bis auf die Augen verschleiert. Sehr gewöhnungsbedürftig.

Bald darauf treffen wir unterwegs Claudia, sie ist mit dem Rad aus Berlin gestartet und fährt in die selbe Richtung . Zusammen haben wir eine klasse Couchsurfing-Übernachtgung die vorab von Claudia organisiert wurde. Die Wohnung von Gastgeber Chian ist riesig, so dass wir spontan alle untergekommen sind.

Spannend wird es dann noch einmal an der Grenze nach Georgien, Saras Visum ist 4 Wochen abgelaufen und Chris hat die erlaubte Aufenthaltsdauer von 3 Monaten in der Türkei gleichfalls überzogen. Sie können zwischen einer Strafe von 200 Euro oder einer fünfjährigen Verbannung wählen. Will man vor Ablauf dieser Frist einreisen, ist das jederzeit unter Zahlung der Strafe möglich. Die beiden haben selbstverständlich nicht bezahlt und sind strahlend in Georgien eingeradelt. 🙂

Bis zum nächsten Beitrag

Peace, Love, Freedom and Rock’n’Roll, Mark

 

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